Nahrungsmittelunverträglichkeiten verstehen

Nahrungsmittelunverträglichkeiten verstehen

Auszug aus einem Fachartikel von Dr. Evan McCarvill, ND (Naturopathic Doctor) aus Kanada

Es gibt viele Menschen mit chronischen Erkrankungen, welche die Lebensqualität beeinträchtigen und für die keine Ursache gefunden werden kann. Dazu zählen häufig Beschwerden wie mit der Zeit langsam zunehmende Müdigkeit (Fatigue), Gewichtszunahme, Hautausschlag, Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme oder Gelenkschmerzen.

Ein erheblicher Teil der Betroffenen erfährt Hilfe, indem die Möglichkeit unterschwelliger chronischer Reaktionen auf bestimmte Lebensmittel in ihrer Ernährung untersucht und angegangen wird, die möglicherweise jahrelang unerkannt geblieben sind.

Verschiedene Arten von Lebensmittelreaktionen

Zunächst gibt es einige verschiedene Arten von Lebensmittelreaktionen, die mit echten versteckten Nahrungsmittelallergien verwechselt werden können. Die erste ist das, was man einfach als „Nahrungsmittelunverträglichkeit“ bezeichnen kann und einfach eine Reaktion auf bestimmte Nahrungsmittel ist, die eigentlich nicht vom Immunsystem vermittelt wird. Ein gutes Beispiel dafür ist die Laktoseintoleranz, bei der Menschen beim Verzehr von Milch und anderen Milchprodukten mit Blähungen und Unbehagen reagieren können. Das liegt an einem Mangel am Enzym Laktase, mit dessen Hilfe Laktose, ein Zucker, der in Milchprodukten vorkommt, richtig verdaut wird.

Lebensmittelallergien gegen Molkereiprodukte oder Erdnüsse lösen dagegen eine unmittelbare Reaktion aus, was zu plötzlichen Symptomen wie geschwollener Kehle, Schleimproduktion, Hautausschlag, puffigen Augen usw. führt. In schweren Fällen kann es sogar zu einem anaphylaktischen Schock kommen, der lebensbedrohlich sein kann. Eine Lebensmittelallergie wird durch die IgE-Antikörper vermittelt, die die Freisetzung von Histaminen aus weißen Blutkörperchen namens basophile Leukozyten auslösen. Dies wird als Typ-1-Immunreaktion bezeichnet.

Echte versteckte Lebensmittelallergien

Versteckte Lebensmittelallergien sind anders. Sie neigen dazu, sich langsamer zu manifestieren, über einen Zeitraum von Tagen oder sogar Wochen, aufgrund der Exposition gegenüber Lebensmitteln, die vielleicht in dieser Zeit wiederholt gegessen werden, ohne eine offensichtliche Reaktion zum Zeitpunkt des Konsums. Das ist der Grund, warum sie als „versteckt“ bezeichnet werden. Aufgrund ihrer langsameren Manifestierung und mehr systemischen und unspezifischen Symptome sind sie schwieriger zu erkennen. Vermittelt werden die Reaktionen durch einen anderen Antikörper, den IgG-Antikörper, der typischerweise in die Reaktion des Immunsystems auf Krankheitserreger wie Viren und Bakterien eingebunden ist. Dies wird als Typ-3-Immunreaktion bezeichnet.

Nachweise

2007 wurde eine große Studie von der British Allergy Foundation durchgeführt. Ziel der Studie war es herauszufinden, ob das Entfernen bestimmter Lebensmittel aus der Ernährung, die durch den IgG-Bluttest als „kritisch“ eingestuft worden waren, die Symptome der Patienten verbessern würde. Von den mehr als 5.000 Teilnehmern folgten über 70 % rigoros den Testergebnissen und beseitigten die für sie kritischen Lebensmittel. Unter diesen Patienten wurden Verbesserungen bei einer Vielzahl von Symptomen wie Gelenkschmerzen, Atemprobleme, Verdauungsbeschwerden, Hauterkrankungen, neurologische Erkrankungen und sogar psychische Erkrankungen gemeldet. Interessanterweise waren die Symptome, die die größte Verbesserung zeigten, Verdauungsprobleme (z.B. Reizdarmsyndrom), sowie psychische Erkrankungen wie Angstzustände und Depressionen.

Eliminationsdiät

Es gibt einige Möglichkeiten, um zu erkennen, ob bestehende Symptome mit einer versteckten Lebensmittelallergie in Zusammenhang stehen. Die erste ist die billigere, aber zeitaufwendigere und viel Disziplin erfordernde Methode. Sie wird „Eliminationsdiät“ genannt, bei der eine umfangreiche Liste von häufig unverträglichen Lebensmitteln für einen Zeitraum von mindestens sechs Wochen gleichzeitig aus der Ernährung eliminiert wird. Während dieser Zeit sollten nur jene Lebensmittel jeder Lebensmittelgruppe konsumiert werden, die am wahrscheinlichsten keine Reaktion auslösen. Sobald die sechs Wochen vergangen sind, führt man die eliminierten Lebensmittel einzeln wieder ein. Wenn man zum Beispiel Kartoffeln wieder einführt, isst man Kartoffeln für zwei von drei Mahlzeiten am Tag, drei Tage hintereinander. Wenn es in dieser Zeit keine Rückkehr der Symptome gibt, können Kartoffeln sicher wieder in die Ernährung aufgenommen werden, und  zum nächsten Lebensmittel übergegangen werden. Wenn eine Reaktion ausgelöst wird, dann entfernt man das Nahrungsmittel wieder und dauerhaft vom Speiseplan.

Der Vorteil des Eliminations-Diät-Ansatzes ist, dass er sich nicht auf Antikörper-Titer eines Laborberichts stützt, der manchmal körperliche Reaktionen widerspiegelt oder auch nicht, sondern auf die direkte Beobachtung klinischer Symptome.

IgG-Bluttest

Der zweite Weg, mögliche versteckte Lebensmittelallergien zu identifizieren, ist die teurere, aber viel schnellere und bequemere Methode eines Bluttests. Dabei wird eine Probe von Kapillarblut genommen und an ein Labor geschickt, wo die IgG-Antikörper in der Probe mit Dutzenden von verschiedenen Nahrungsantigenen kombiniert werden; in der Regel eine viel größere Anzahl, als durch eine Eliminationsdiät abgedeckt werden kann. Lebensmittel, die eine IgG-Reaktion oberhalb eines bestimmten Schwellenwertes zeigen, werden als potenzielle versteckte Lebensmittelallergien erfasst. Dies kann die Liste der potentiell kritischen Lebensmittel deutlich reduzieren und eine vernünftigere Eliminationsdiät könnte dann eingesetzt werden, um konkreter zu bestimmen, welche Lebensmittel vermieden werden müssen.

Haftungsausschluss: Die in diesem Artikel dargestellten Informationen sind nur für allgemeine Informationszwecke bestimmt und stellen keine medizinische Beratung dar.

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