Auszug aus einem Fachbeitrag von Dr. Ann-Marie Regina, ND (Naturopathic Doctor) aus Kanada

Manche von uns haben sich sicher schon einmal die Frage gestellt, ob unsere Gesundheit durch die Technologie gefördert oder eher behindert wird?

Vieles lässt sich heutzutage bequem vom Bildschirm aus erledigen. Die Bequemlichkeit hat jedoch ihren Preis. Wenn man ständig mit E-Mails, Anrufen, Textnachrichten und Updates bombardiert wird, kann dies zu geistiger Ermüdung führen und zu Symptomen wie Angst, Stress und Depression beitragen. In einer Studie, die sich auf Universitätsstudenten konzentrierte, war Stress häufiger bei denjenigen zu beobachten, die mehr Zeit mit Telefonieren verbrachten. Der stärkste  Auslöser für Stress war jedoch, dass das Telefon während des Schlafs weniger als 1 Meter entfernt war. Mobiltelefone und andere Technologien werden mit Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Müdigkeit und Schwindel, und sogar mit Gehirntumoren in Verbindung gebracht.

Wie kann uns die Natur helfen, Stress zu reduzieren?

Verringerung der geistigen Erregung. Die Forschung zeigt, dass ein Aufenthalt in der Natur erholsam ist, da er das Niveau der geistigen Erregung senkt. Es hat sich auch gezeigt, dass der Aufenthalt in der Natur Stress abbaut, indem er den Cortisolspiegel im Speichel senkt, der das wichtigste Stresshormon im Körper ist.  Darüber hinaus nimmt das Gefühl der Erleichterung, der Revitalisierung und der allgemeinen Gelassenheit zu.

Das Gehirn und der Körper werden gestärkt. Der präfrontale Kortex unseres Gehirns, der für die Entscheidungsfindung und das Erkennen zuständig ist, wird ständig mit Reizen bombardiert. Auf Dauer kann dies zu Burnout, Müdigkeit und Angstzuständen führen. Ein Aufenthalt in der Natur kann dem Gehirn die dringend benötigte Pause verschaffen und geistige Fähigkeiten wie das Kurzzeitgedächtnis fördern. Studien haben auch gezeigt, dass die Amygdala, der Bereich des Gehirns, der mit Emotionen wie Wut und Angst in Verbindung gebracht wird, gesünder ist, wenn man näher am Wald wohnt, und dass die physiologischen Auswirkungen eines Waldspaziergangs im Vergleich zu einer städtischen Umgebung den Blutdruck, die Muskelspannung und die Pulsfrequenz senken, das Immunsystem stärken und die Lebensqualität insgesamt verbessern.

Abpufferung stressiger Ereignisse. Stressige Lebensereignisse können dazu führen, dass man sich verletzlich und gefangen fühlt. Es hat sich gezeigt, dass der Zugang zur Natur für Ablenkung und das vorübergehende Gefühl, "weg zu sein", sorgt. Wenn wir uns einen Puffer schaffen, indem wir uns von einer wahrgenommenen Bedrohung entfernen und ein stressiges Ereignis aus einer ruhigen statt aus einer ängstlichen Perspektive betrachten, können wir die Kontrolle über unser Leben zurückgewinnen. Die Natur sollte ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung von Ängsten sein.

Wie lange muss ich mich draußen aufhalten, um eine Wirkung zu erzielen?

Was die Dauer des Aufenthalts im Freien betrifft, so gibt es Hinweise darauf, dass ein 90-minütiger Spaziergang in der Natur die Aktivität in dem Teil des Gehirns verringern kann, der mit negativem Grübeln verbunden ist. 20 bis 30 Minuten an drei bis vier Tagen in der Woche haben die gleiche stresslindernde Wirkung und sind eine gute Möglichkeit, tägliche körperliche Betätigung in unser Leben einzubauen, die bekanntlich auch Stress abbaut.

Wie wir das Beste aus einem Spaziergang in der Natur machen

- Die Verbindung vollständig trennen. Das Mobiltelefon im Auto oder zu Hause lassen, auch wenn es sich schwierig anfühlt.

- Präsent sein. Das Nachdenken über die Vergangenheit oder die Zukunft trägt wesentlich zu Angstsymptomen bei. Im Hier und Jetzt durch einen schönen Wald spazieren, die Gegenwart genießen und sich keine Gedanken machen über die Aufgaben, die auf uns warten, oder über die Fehler, die wir in der Vergangenheit gemacht haben.

- Auf die Atmung konzentrieren. Wir wissen, dass tiefe Atemübungen helfen, den Geist zu beruhigen. Verbinden wir also die beruhigende Wirkung der Atmung mit der erholsamen Wirkung der Natur.

Ein naturheilkundlicher Ansatz, um die Natur in das tägliche Umfeld zu bringen:

- Wirkt nicht ein Büro oder eine Wohnung mit Pflanzen beruhigender? Die Integration eines Heilgartens am Arbeitsplatz kann das geistige, emotionale und spirituelle Wohlbefinden steigern. Schon ein paar Pflanzen, die ein Gefühl der Ruhe vermitteln, können den Unterschied ausmachen.
 
- Auch das Hören von Geräuschkulissen kann helfen, Ängste abzubauen. MRT-Berichte, in denen die Gehirnaktivität beim Hören von Naturgeräuschen gemessen wurde, spiegeln eine ähnliche Aktivität wider, wie sie in wachen Ruhephasen auftritt.
 
- Sich Zeit nehmen, um an die frische Luft zu gehen, selbst wenn man den ganzen Tag im Büro arbeiten muss. Das kann ein fünfminütiger Spaziergang um das Gebäude herum sein oder auch nur ein Blick aus dem Fenster, um frische Luft zu atmen.
 
- Eine erholsame städtische Umgebung finden. Nicht alle städtischen Umgebungen sind erschöpfend. Das kann unser Lieblingsmuseum oder ein architektonisches Gebäude sein. Solange das Gebäude das Aufmerksamkeitssystem nicht überlastet und ein gewisses Maß an Faszination bietet, kann die "künstliche" Umgebung die Lücken füllen.

- Versuchen, sich mit Freunden in der freien Natur zu treffen, anstatt in einem Restaurant oder Café zu sitzen. Man kann sich gegenseitig motivieren und ermutigen. Soziale Interaktion ist ein weiterer wichtiger Aspekt der psychischen Gesundheit und des Wohlbefindens.

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